KAREL KLOSTERMANN

Der Literat, der als „Chronist des Böhmerwaldes“ bekannt ist und in Tschechien eine Adalbert Stifter ähnliche Bekanntheit erfährt, wurde in Haag am Hausruck geboren. Das Haager Heimathaus Schloss Starhemberg würdigt den großen Sohn mit einer Dauerausstellung. Eine Gedenktafel an seinem Geburtshaus Marktplatz 26 erinnert an den Dichter.

Kurzbiografie

Karl Faustin Klostermann wurde am 13.Feb. 1848 in Haag am Hausruck als Sohn eines Arztes geboren. Die Eltern waren k.u.k.-Untertanen, Böhmerwäldler. Bereits im 2. Lebensjahr des kleinen Karl zog die Familie zurück in den Böhmerwald, so wurde der Grundstein für Klostermanns Zweisprachigkeit gelegt. Nach mehreren Schulwechseln und einem abgebrochenen Medizinstudium arbeitete er als Hauslehrer und Journalist, seinem eigentlichen Wunschberuf. Anschießend arbeitete er bis zu seiner Pensionierung als Französischlehrer an der deutschen Realschule in Pilsen. Am 16. Juli 1923 verstarb er auf Schloss Steken, wo Fürst Windischgrätz dem angesehenen Schriftsteller ein Wohnrecht auf Lebenszeit gewährt hatte. Die Stadt Pilsen richtete ihrem Ehrenbürger ein regelrechtes Staatsbegräbnis samt Ehrengrab aus.

Der Literat Klostermann

Als Journalist schrieb Klostermann für die Zeitschrift „Wanderer“ und Geschichten aus dem damals schwer zugänglichen Böhmerwald in der Zeitung „Politik“. Wegen des großen Anklangs riskierte der Autor es, die erste Hälfte der Serie „Heiteres und Trauriges aus dem Böhmerwalde“ unter dem Titel „Böhmerwaldskizzen“ im Selbstverlag als Buch herauszubringen. Das an Stifter gewöhnte Publikum fand aber keinen Gefallen an Klostermanns Realismus. Als er darauf hin eingeladen wurde, diese Geschichten in Tschechisch zu schreiben, wendete sich das Blatt. Sein erster tschechischer Roman „Rychtaruv syn“ – „Der Sohn des Freirichters“ begeistert das Publikum. Für den Roman „Ze sveta lesnich samot“ - „Aus der Welt der Waldeseinsamkeiten“ erhielt er 1892 den Jahrespreis der Tschechischen Akademie. Diese Auszeichnung wurde dem Dichter noch 1905, 1906 und 1913 zuteil. Karl Klostermann änderte seinen Vornamen auf Karel und schrieb 14 weitere Romane in tschechischer Sprache (und zehn Sammelbände mit Erzählungen. Auf Deutsch verfasste er weitere Werke für die Zeitung „Politik“.

Karel Klostermann ist literarhistorisch als Realist/Naturalist einzustufen. Seine Erzählungen enthalten viele, genaue, oft sehr detaillierte Ausführungen zur Arbeit, zu Sitten, Brauchtum und Denkweisen. Insgesamt umfasst sein erzählerisches Gesamtwerk 150 Titel.

Klostermann zwischen den Nationalitäten

Die Tatsache, dass Klostermann als Lehrer an einer deutschen Schule tschechisch publizierte, für eine friedliche Koexistenz von Deutschen und Tschechen eintrat und sich für die in der k.u.k. Monarchie „unterdrückte tschechische Minderheit“ einsetzte, brachte ihm im aufkommenden Nationalismus der letzten Monarchiejahre bei beiden Seiten in Schwierigkeiten. So wurde Klostermann regelrecht ins tschechische Lager abgedrängt oder, wie er es 1908 selbst in einem offenen Brief formulierte: „Ich bin durch die Verhältnisse zum Tschechen geworden.“

 

Quellen: Franz Ziegelböck: „Wer war Karel Klostermann?“ Sonderausgabe der Gemeindezeitung der Marktgemeinde Haag am Hausruck, Jahrgang 04, Ausgabe 209.
Dvorak, Dr. Gerold: „Karl Klostermann – ein berühmter Böhme – geboren in Haag am Hausruck“, in der Bundschuh 1, Schriftenreihe des Innviertler Volkskundehauses, 1998, S. 108-110.
Buchinger, Franz: „Karl Klostermann – der Schriftsteller und Dichter des Böhmerwaldes. Ein gebürtiger Haager.“ Niederschrift eines Vortrages am 07.02.2055 (unveröffentlicht).

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